VDE stellt HGÜ Trassen in Frage

Sind wirklich alle von der Bundesnetzagentur im Netzentwicklungsplan 2024 (NEP24) bestätigten Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragungstrassen (HGÜ-Trassen) nötig? 

Lt. VDE Studie kann der Stromtransportbedarf um 45% reduziert werden!

Der VDE hat dazu die Ergebnisse der folgenden Studie veröffentlicht:

Hier geht es zu dem VDE Bericht

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Aufräumen mit Kabel-Mythen

In den letzten Tagen werden von verschiedenen Medien wie z.B. der Süddeutschen Zeitung, der Zeit oder auch Heise merkwürdig gleichlautende Artikel zu den angeblichen Nachteilen der Erdverkabelung von HGÜ bzw. HVDC Erdkabeln veröffentlicht.

Der Zeitpunkt dürfte nicht zufällig gewählt sein: am 14.10.2015 will ein Wirtschaftsausschuss des BMWi über die Gesetzesänderung zum Thema „Erdkabel-Vorrang für Höchstspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ)“ beraten. Es wird also ernst und die Freileitungs-Lobby zieht noch einmal alle Register, um den Vorrang für Erdkabel zu relativieren und zu verwässern. Dazu werden die guten Kontakte zur Presse genutzt. Schließlich ist man Geschäftspartner, ist doch die Presse zu einem guten Teil abhängig von Werbeeinnahmen durch geschaltete Anzeigen.

Selbst recherchierte Artikel scheinen der Vergangenheit anzugehören, Behauptungen werden nicht überprüft, sondern einfach übernommen.

So werden z.B. immer wieder die folgenden Aussagen gemacht:

  • Erdkabel sind zu teuer, 8 mal teurer als Freileitungen.
  • Erdkabel erhitzen den Boden, landwirtschaftliche Erträge sinken.
  • Erdkabel sind sehr aufwendig zu verlegen.
  • Erdkabel haben grosse Trassenbreiten zur Folge.
  • Bei Erdkabeln sind für 2 GW Übertragungsleistung 4 Einzelkabel notwendig.
  • Bei Erdkabeln sind alle 1000 m Muffenhäuschen zur Verbindung von Kabelsegmenten notwendig.

Und ganz neu von Tennet verbreitet:

  • Es kann gar nicht genügend Erdkabel für die Südlink-Verbindung produziert werden.

Falsch, ABB als Hersteller von HGÜ See- und Erdkabeln bestreitet das auf Twitter.

oder auch neu:

  • Es gibt kaum Firmen, die die Erdkabel verlegen können.

Falsch, es sind in Deutschland zig-tausend KM Gas-Pipelines unterirdisch verlegt worden. Wer hat das bloß gemacht?

Wir sind gespannt was sich die Übertragungsnetzbetreiber noch alles werden einfallen lassen. Wir werden die Liste der Erdkabel-Mythen sicher in nächster Zeit noch verlängern müssen. Wir prophezeien: Je näher die Gesetzesvorlage kommt, desto mehr ähnliche Artikel (siehe oben) werden erscheinen.

Mit all diesen Kabel-Mythen räumt der Verbund von 20 Landkreisen, die sog. „Hamelner Erklärung“, gründlich auf und hat dazu die folgende Broschüre veröffentlicht:

Aufräumen mit alten Kabel-Mythen

Hier noch ein aufklärender Beitrag des Bayerischen Rundfunks über eine Studie mit Feldversuch zu den Auswirkungen der Erdverkabelung auf landwirtschaftliche Nutzflächen. Es wird hier darauf hingewiesen, daß nicht die Temperaturerhöhung während des Betriebs das eigentliche Problem ist, sondern eher ein unzureichender Bodenschutz während der Baumaßnahmen. Entsprechend sind die Baumaßnahmen bodenkundlich zu überwachen. 

Leider hat der Bayerische Rundfunk den entsprechenden Video-Beitrag komplett aus dem Internet entfernt und nur noch den Textbeitrag im Netz.

Auswirkungen der Erdverkabelung
 

 
[Update 05.10.2015]

Wie prophezeit wurde heute über verschiedene Medien massiv,  auf Basis einer dpa-Meldung, aus dem Bundeswirtschaftsministerium über die angeblich sehr viel teureren Erdkabel berichtet. Diese „erheblichen“ Mehrkosten von bis zu 8 Mrd € (max. 3-9€ pro Jahr und Haushalt) müssten von allen Stromkunden bezahlt werden. Wir bezweifeln gemeinsam mit dem Verbund von mehr als 20 Landkreisen diese Zahlen! Hier soll noch einmal Stimmung in der Bevölkerung gegen die berechtigten Sorgen der Betroffenen entlang der Trassen gemacht werden. Wir vermuten, dass der von den Koalitionsspitzen beschlossene Vorrang für die Erdverkabelung in der geplanten Gesetzesänderung verwässert werden soll. Wir werden hier sehr wachsam sein!

Präsident der Bundesnetzagentur: keine Erdvollverkabelung, daher Mehrkosten tragbar

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, hält die Mehrkosten für Erdkabel für vertretbar, geht er doch davon aus, dass es sowieso keine Erdvollverkabelung geben wird. Homann: „…wer das glaubt ist auf dem Irrweg“.

Jetzt kommt es darauf an, welche Ausnahmen im noch zu ändernden Gesetz trotz Erdkabel-Vorrang zugelassen werden.

Es bleibt spannend und wir werden genau beobachten wie ernst es den Koalitionsspitzen mit der Vorgabe „Erdkabel-Vorrang“ ist.

Präsident der BNetzA im Interview

TenneT: Kaum negative Einflüsse für Böden

Im Rahmen der Besichtigung einer HGÜ Erdkabel-Baustelle bei Emden, an der auch ein Vertreter der BI-Weserbergland teilgenommen hat, hat TenneT auf die geringeren Belastungen der Böden bei Gleichstromerdkabeln (HGÜ = Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragung) im Vergleich zu Wechselstromerdkabeln hingewiesen. So wird bei HGÜ-Erdkabeln keine Betonsohle verwendet und auch die Bodenerwärmung durch die Kabel ist sehr viel niedriger.

TenneT hatte die Besichtigung für Vertreter des Landvolkverbandes Weserbergland organisiert. Mit dabei war auch Hermann Grupe als Vorsitzender des Bauernverbandes Weserbergland.

Hier der gesamte Beitrag der Weserbergland-Nachrichten zur Besichtigung